Lokpark Ampflwang

Wie ? Sie waren erst einmal im Lokpark Ampflwang ? Das kann nicht sein !

Ich bin jedes Jahr zumindest einmal dort. Um meine heimliche Liebe zu treffen. Man sieht sie hier auf der Drehscheibe. Meine Geliebte dreht und wendet sich gerade, leichten Rauch ablassend, aber sauber wie immer !

Es ist nicht schwierig, sie zu besuchen. Wenn man den Kassier beim Eingang zum Lokpark mitten in Ampflwang hinter sich gelassen hat, dann sinds nur wenige Schritte. Hin und wieder stellt sich dann noch die Frage, ob ich zuerst in den ehemaligen Brecher der WTK-Kohlenwerks AG steigen soll, hoch hinauf, denn dort findet sich ein Eisenbahnmuseum mit einer  Unzahl von Eisenbahnmodellen in der Spur HO. Da kann ich meine große Freundin in Miniatur bewundern.

Auf zum Rundschuppen !

Aber meistens kann ich das Treffen gar nicht erwarten, also auf zum Rundschuppen. Und gerade heute steht sie davor, tut sie ja nicht immer, aber heute ist Dampftag, da ist sie quicklebendig.

Von wem sprechen wir eigentlich ? Von einer 77er,  noch vor dem ersten Weltkrieg entworfen und für Personenzüge und leichte Schnellzüge vorgesehen. Verschiedene Vorgaben wie Metergewicht und Leistungssteigerung führten zur Achsfolge 2’C1′. Diese auch als „Pacific“ bekannte Achsfolge war international weit verbreitet, kam in Österreich jedoch nur bei dieser Baureihe zur Anwendung. Sehr geschätzt wurde die Laufruhe meines Lieblings. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 85 km/h festgesetzt, obwohl bei Probefahrten 110 km/h problemlos erreicht wurden.

Ich sag nie „Pacific“ zu ihr, sondern „seventy-seven“, wenn wir uns im Schuppen begegnen und ich ihr über die riesigen Treibräder streiche. Sie mag das, lieber noch ist ihr allerdings eine Behandlung mit dem Ölkanderl ! Zwei Laufachsen vorn (2), dann drei gekuppelte Achsen (das C) und dann eine Nachlaufachse(1). Und alle Räder in rot ! Wie schon gesagt, einzigartig in Österreich. Sie war der „Windhund“ auf der Nordbahn, die Westbahn hat ihr nie so getaugt.

Klass ist übrigens ihr Tender. Den hat sie gleich angebaut, muss ihn nicht nachschleppen. „Love me Tender „, das Lieblingslied der Dampflokfahrer !

Übrigens: die roten Metallteile auf den Rädern, die „Unwucht“, damit das Mädel nicht aus den Schienen springt, geben ihr optisch noch einen zusätzlichen Reiz.

Sie hat einen Giesl !

Und sie hat einen „Giesl“-Ejektor als (flachen) Rauchfang und keinen Rundschlot. Das macht sie einzigartiger als einzigartig, gibt ihr einen besonderen „Sound“ und macht sie schneller als gleichartige 77er Modelle.

So, jetzt wissen Sie schon einmal sehr viel über meinen Darling. Ich bin ganz sicher, auch Sie werden öfter nach Ampflwang kommen. Bei irgendeiner Lok werden Sie Feuer fangen, vielleicht bei der 01 ?

Sehen wir uns vielleicht ?

by maximilian lötsch

Lokpark Ampflwang: Bahnhofstraße 29, 4843 Ampflwang im Hausruckwald

Eine Antwort auf „Lokpark Ampflwang“

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